Am Beispiel von Roland: Behaviour Modelling

Aus dem OpenMusicSchool Blog: Am Beispiel von Roland: Behaviour Modelling

Die Firma Roland hat in den letzten Jahren offenbar weitgehend unbemerkt von der Öffentlichkeit (zumindest von meiner) eine neue Sache entwickelt, die ich sehr klasse finde für unsere Zwecke, da ich doch immer Mittel und Wege suche, uns das Musikmachen so leicht wie möglich zu gestalten. Und zwar nennt sich das ´Behaviour Modelling´ – ein etwas sperriger Name – zumindest im deutschsprachigen Raum. Und ich kann mir vorstellen, dass er deswegen auch ziemlich untergehen wird, wenn man nicht gerade mit der Nase draufgeschubst wird.

Die Geschichte ist aber im Prinzip ganz einfach und insofern schnell erklärt und birgt aber dennoch ein fantastisches Potential, denn wir stehen ja damit am Anfang. Konkret geht es darum, dass das Instrument in gewisser Weise und in gewissen Grenzen erkennt, was der Musiker in der entsprechenden Situation will und ihm dabei ein bisschen hilft.

Zwei Beispiele:

Beispiel 1. Es war schon immer nicht ganz trivial, eine schöne Gitarrenspur auf dem Keyboard einzuspielen. Früher war das noch schwieriger, weil die Sounds wirklich nicht besonders gut klangen, aber heutzutage ist es schon einfacher geworden, denn die Synthesizer- und Workstation-, aber auch die PlugIn-Hersteller geben sich große Mühe, realistische Samples bereitzustellen, damit ein Sound auch einigermaßen nach Gitarre klingt.

Damit ist es aber leider nicht getan, denn als Keyboarder oder Klavierspieler (oder beides) spielt man typischerweise auf den Tasten Dinge, die logischerweise ein Gitarrist auf seinen Bünden und Saiten so nie greifen würde – und in den meisten Fällen auch könnte. Gleichzeitig ist es ziemlich ungewohnt und für die meisten Menschen schlicht und ergreifend nicht so ohne weiteres umsetzbar, wiederum die Dinge, die der Gitarrist spielt, so auf dem Keyboard umzusetzen. Setzt Euch mal hin und versucht das. Das ist in beiden Richtungen eine Herausforderung.

Im Jupiter-80 von Roland aber (und wahrscheinlich auch im demnächst erscheinenden Jupiter-50) gibt es beispielsweise eine ´Behaviour Modelling´-Gitarre, die selbsttätig darauf achtet, dass nur die Noten wiedergegeben werden, die in dem Moment auch sinnvoll auf der Gitarre spielbar wären. Der Hammer, oder? 😀

Ich habe das schon vor einigen Jahren live auf der Musikmesse in Frankfurt gesehen und gehört, und es war genauso leicht, wie ich es gerade beschrieben habe. Super! Ein Punkt mehr, den wir wahrscheinlich von unserer ´Achtung, schwierig´- Liste streichen können. Ich habe es selbst noch nicht ausprobiert, weil ich keine Zeit auf der Messe hatte, aber ich kann mir vorstellen, dass wir da einer spannenden und inspirierenden Zeit entgegenblicken.

Beispiel 2, ebenso von Roland. Ehrlich gesagt weiß ich nicht, ob die anderen Hersteller wie Yamaha oder Korg oder andere so etwas auch haben, aber mir ist das bisher zumindest nicht bekannt. Im Beispiel 2 geht es um das neue E-Drum-Modul von Roland namens TD-30. Möglicherweise können das die anderen neuen auch – das weiß ich im Moment nicht. Das TD-30 jedenfalls – hier nur ein Beispiel – erkennt, ob man leicht, aber schnell auf die Crash-Becken-Pads schlägt und geht daher davon aus, dass man einen ´Swell´ spielen will. Ein Swell ist dieses leise und typischerweise in der Lautstärke steigende ´Rauschen´ des Beckenklanges, das dann immer lauter anschwillt. Das war bisher für nicht so perfekte Schlagzeuger beim E-Drum ein Thema, denn die bisherigen Module empfangen zwar natürlich die Anschlagsdynamik des Beckenpads, aber wenn man nicht wirklich aufpasst, dann klingt es sehr schnell nach Maschinengewehr mit einzelnen überlauten Akzenten dazwischen – nicht wirklich klasse und kaum brauchbar.

Ich habe mir hierzu extra zwei Sticks mit Stoffkugeln vorne dran gekauft, wie sie oft im klassischen Orchester eingesetzt werden. Die werde ich bei einem TD-30 wohl nicht mehr brauchen, denn ich habe das Set mehrfach auf der Messe getestet, und jetzt gelingen auch mir mehr oder weniger leicht schöne Swells, weil das Modul mir da hilft. Klasse! Das ist OMS at its best! 😎

Liebe Grüße,

Euer Philip