Gitarre stimmen nach Gehör und mit Stimmgerät – so einfach geht’s!

Gitarre stimmen nach Gehör und mit Stimmgerät – so einfach geht’s!

Gitarre stimmen nach Gehör und mit Stimmgerät - so einfach geht's

In diesem Beitrag über das Gitarre stimmen nach Gehör und mit Stimmgerät zeige ich dir auf zwei verschiedene Arten, wie man eine saubere Stimmung bei der Gitarre hinbekommt.

Gerade Anfänger unterschätzen oft, wie wichtig das Stimmen der Gitarre ist. Nur ein gestimmtes Instrument klingt harmonisch und professionell, ganz unabhängig von den eigenen Fertigkeiten. Auch das Zusammenspiel mit anderen Musikern wird unmöglich, wenn man ein verstimmtes Instrument hat.

Jede der folgenden Techniken hat Vor- und Nachteile. Deswegen sollte ein Gitarrist alle Techniken beherrschen, die Gitarre zu stimmen. Bevor es los geht, verrate ich dir erstmal ein paar Grundlagen der Gitarrenstimmung.

Deine Gitarre hat im Normalfall 6 Saiten und zwar in der Reihenfolge: E A D G H e.

(Von der dicksten Saite aus gesehen).

Wichtig ist dabei, dass sich üblicherweise die Stimmung der Gitarre an einem A mit einer Frequenz von 440 Hz orientiert. Warum ein A? Nun, um international mit anderen Musikern in einer einheitlichen Stimmung spielen zu können, hat man sich nach längerem hin- und her historisch auf ein A mit einer Frequenz von 440 Hz geeinigt.

Ok, es kann los gehen!

Methode 1: Manuelles Stimmen der Gitarre mit Referenzton

Diese Methode erfordert genaues Hinhören und ist damit sicherlich nicht ganz einfach für Anfänger. Trotzdem solltest du diese Variante immer wieder üben, um dein Gehör zu schulen.

  • Schritt 1: Du benötigst einen Referenzton. D.h. einen bereits gestimmten Ton, der dir als Vorlage dient. Danach kannst du dich bei der ersten Saite richten. Es ist – wie erwähnt – üblich mit der A-Saite zu beginnen. Das ist die zweite dicke Saite deiner Gitarre. Doch woher bekommt man diesen Ton? Entweder, du legst dir eine 440 Hz Stimmgabel zu, oder du spielst den Ton auf einem Keyboard bzw. einer bereits gestimmten Gitarre.
  • Schritt 2: Greife zur Stimmmechanik an der Kopfplatte die zum A gehört. Also die 2. Mechanik. Während der Referenzton klingt, schlägst du die A-Saite an. Klingt der Ton zu tief, dann drehst du die Mechanik gegen den Uhrzeigersinn. Dadurch nimmt die Spannung der Saite zu – der Ton wird höher. Sollte deine A-Saite zu hoch klingen, dann drehe im Uhrzeigersinn. Mach das ganz langsam und höre exakt hin. Beide Töne sollten gleich klingen!
  • Schritt 3: Wenn die A-Saite korrekt gestimmt ist, stimmst du als nächstes die tiefe E-Saite. Dazu drückst du mit deinem Zeigefinger den 5. Bund auf der E-Saite. Schlage jetzt nacheinander erst die leere A-Saite an und gleich danach die auf dem 5. Bund gegriffene E-Saite. Die beiden Töne sollten gleich klingen. Wenn nicht, wiederhole die Prozedur aus Schritt 2. Nur musst du jetzt die zur tiefen E-Saite gehörige Mechanik anpassen.
  • Schritt 4: Als nächstes wird die D-Saite gestimmt. Drücke dieses Mal den 5. Bund der A-Saite, das ist ein D. Dazu muss die leere D-Saite passen. Pass auf, dass du dieses Mal nicht die bereits richtig gestimmte A-Saite veränderst, sondern die Mechanik an der leere D-Saite drehst. (Die 3.)
  • Schritt 5: Gleiches Spiel. Dieses Mal wollen wir die G-Saite stimmen. Drücke als Referenz den 5. Bund der D-Saite und passe die leere G-Saite diesem Ton an.
  • Schritt 6: Jetzt stimmen wir die H-Saite. Aber aufgepasst: jetzt verändert sich das Prinzip ein wenig. Du musst jetzt als Vergleichston den 4. Bund der G-Saite drücken! Ansonsten bleibt alles wie gewohnt. Die auf dem 4. Bund gedrückte G-Saite anspielen, leere H-Saite anspielen und letztere anpassen.
  • Schritt 7: Jetzt stimmen wir die hohe E-Saite. Dazu drückst du wieder den 5. Bund der H-Saite und passt dir leere E-Saite entsprechend an.

Das ist das Prinzip des manuellen Stimmens.

Ich habe dazu noch einen Tipp für dich: Während du stimmst, merkst du wie sich die beiden gleichzeitig klingenden Töne „reiben“, wie sie wabern und zueinander schwingen. Ziel ist es, dafür zu sorgen, dass die Töne deckungsgleich sind. Sie dürfen sich nicht mehr „beißen“ sondern sollten zur Ruhe kommen und parallel schwingen. Auf dem richtigen Weg bist du, wenn die entstehende Schwingung zwischen den beiden Tönen langsamer wird. Genau richtig bist du, wenn kein „Eiern“ mehr entsteht, wenn man beide Töne gleichzeitig klingen lässt.

Methode 2: Der Einsatz eines Stimmgerätes

Ein Stimmgerät (englisch: tuner) ist ein unverzichtbares Zubehör für Gitarristen. Es übernimmt beim Stimmen fast die ganze Arbeit für dich. Klingt gut oder? Ist es auch.

Es gibt auf dem Markt verschiedene Varianten von Stimmgeräten. Bodenpedale oder 19“ Racks, die über ein Kabel angeschlossen werde; Handstimmgeräte, die mit einem eingebauten Mikrofon arbeiten; moderne Stimmgeräte die sich einfach an die Kopfplatte klemmen lassen und über Resonanzen funktionieren. Aber sogar über eine Handy-App lässt sich eine Gitarre stimmen!

Stimmgeräte funktionieren ganz simpel. Du spielst eine Saite an und das Stimmgerät „hört dir zu“. Ein Display zeigt dir meistens mit LEDs an, wie weit du vom erkannten Zielton entfernt bist. Ist die Saite zu tief, zeigt dann etwa ein kleiner roter Pfeil nach oben, oder ein leuchtender Balken weicht von einem dargestellten Mittelwert ab. Die Umsetzung fällt unterschiedlich aus, das Prinzip ist aber immer gleich und meistens intuitiv zu verstehen. Alles was du noch tun musst, ist die passende Stimmmechanik in die richtige Richtung zu drehen.

Hilfreiche Tipps

Im Gitarristenalltag kombiniert man also oft beide genannten Stimm-Methoden. Vor allem, wenn man gerade frisch die Saiten gewechselt hat, greift man nicht zu einem Stimmgerät, sondern bringt im Abgleich mit einem Referenzton erstmal alle Saiten grob auf die richtige Spannung.

Wie man beim Stimmen der Gitarre die Mechaniken drehen muss, hängt vom Modell ab. Sind alle Mechaniken in einer Reihe, dreht man immer gegen den Uhrzeigersinn um die Saite nach oben zu stimmen, mit dem Uhrzeigersinn um die Saite nach unten zu stimmen. Wenn die Kopfplatte deiner Gitarre allerdings zwei gegenüberliegende Dreier-Reihen mit Stimmmechaniken hat, ist das Prinzip auf der von dir abgewandten Seite der Kopfplatte genau umgekehrt! Also immer exakt hinhören, in welche Richtung der Ton sich verändert. Eine zu hoch gestimmte Saite hat viel Spannung und kann leicht reißen.

Gitarre stimmen

Beachte beim Stimmen mit einem Stimmgerät auch, dass alle Saiten schon grob richtig gestimmt sein sollten. Denn nur dann erkennt das Gerät innerhalb einer gewissen Toleranz, welcher Ton es überhaupt sein soll. Wenn beispielsweise deine D-Saite so tief gestimmt ist, dass der Ton näher an einem tiefen A liegt, dann interpretiert das Stimmgerät den Zielton falsch.

Wie gut deine Gitarre gestimmt werden kann, hängt übrigens auch davon ab, wie gut sie konstruiert ist und ob sie in einem guten Gitarrenladen professionell eingestellt wurde. Die Bundstäbchen müssen in einem guten Zustand sein, der Sattel muss zur Saitenstärke passen, die Reiter am Steg müssen die richtigen Abstände haben, um eine korrekte Intonation auf dem ganzen Griffbrett zu haben (Oktavreinheit) und auch die Saiten sollten nicht älter als 2 Monate sein.

Ich hoffe, du genießt in Zukunft ein harmonisches Klangerlebnis ohne Dissonanzen und deine Akkorde klingen astrein! Eine noch einfachere Art des Stimmens gibt es übrigens auch noch: Die selbststimmenden Mechaniken von Tronical und anderen Herstellern. Elektische Mechaniken machen dann ALLES von alleine. Solche Gitarren kosten allerdings auch etwas mehr und du verpasst etwas: Die wichtige Schulung deines Gehörs.

Bis bald!

Dein Benjamin Cross